Krakau 2018

Dies ist der Bericht über ein trilaterales Begegnungsprojekt des John-Lennon-Gymnasiums zusammen mit einer Schülergruppe aus Frankreich und einer aus Polen.

Es folgt ein chronologischer Bericht über die Fahrt nach Krakau/Polen. Die deutschen und die französischen Schüler*innen haben jeweils Tagesberichte verfasst, die französischen sind an der kursiven Schrift zu erkennen.

 

Freitag, 16.März 2018 (Vorbereitung)

Das "Polenmobil" am John-Lennon-Gymnasium

Heute hat uns das sogenannte "Polenmobil" des Polnischen Instituts der HU Berlin besucht. In dem angebotenen Workshop haben wir vieles über das Land Polen gelernt: Geografische und wichtige geschichtliche Daten, touristische Infos, Crashkurs zur polnischen Sprache usw.

Es hat viel Spaß gemacht.

Ein paar Eindrücke vom Workshop:

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Montag, 19.März 2018

Unsere Reise startet um 5:30 Uhr am Flughafen Berlin,Schönfeld. Die meisten Schüler sind noch sehr müde. Nachdem alle durch den Check-In gegangen sind, müssen wir uns noch ein wenig gedulden, bis wir dann um 7:00 Uhr unseren Flieger nehmen. Gespannt sitzen wir im Flieger und freuen uns auf die bevorstehenden Tage, des trilateralen Projekts.

Nach einem einstündigen Flug sind wir in Krakau angekommen. Samt unserem Gepäck fahren wir mit einem Bus zu unserer Unterkunft. Die Temperaturen liegen im Minusbereich, demnach ist es sehr kalt und es schneit ab und zu. Um 10:00 Uhr können wir auf unsere Zimmer gehen, uns einrichten und uns mit der Unterkunft, sowie mit dem Umfeld vertraut machen.

Damit wir erste Eindrücke der Stadt Krakau sammeln können, haben wir um 13:00 Uhr eine Führung zur Street-Art im jüdischen Viertel Krakaus. Dabei wird uns die Geschichte polnischer Juden näher gebracht. Um 17.00 Uhr kehren wir zu unserer Unterkunft zurück und lernen unsere Zimmernachbarn kennen. Wir führen eine Sprachanimation in Form von Kennlernspielen durch. Nachdem wir die Bekanntschaft miteinander gemacht haben essen wir Abendbrot und bekommen anschließend den Plan für die anstehende Woche. Nach einem langen Tag haben wir nun Zeit für uns.

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Dienstag, 20.März 2018

Heute gab es trotz herrschenden Frosts eine Stadtführung durch Krakau. Obwohl es ziemlich kalt war, haben wir interessante Dinge gesehen und gelernt.

Ein paar Eindrücke:

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Beginn der Stadtführung auf dem 40.000qm großen Hauptmarkt mit Blick auf die im 15.Jhd fertiggestellte Marienkirche, und die 400 Jahre alten Tuchhallen welche als Handelsort für Reisende dienten.
 

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Besuch des Innenhofes der 600 Jahre alten Universität “Collegium Maius” im Universitätsviertel.
 

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Stadtführung an der alten Stadtmauer und über einen alten jüdischenFriedhof.
 

Um 8:30 Uhr gab es Frühstück und danach die Gruppeneinteilung für die Workshops in Auschwitz.

Um 10 Uhr sind wir in die Stadt gegangen und hatten eine vierstündige Stadtführung in zwei Gruppen. Wir haben mit der Geschichte der Stadt angefangen, indem die Führerin uns eine der ältesten Universitäten in Europa gezeigt hat. In einem Hof haben wir eine schöne Uhr bewundert und erfahren, dass früher während dem Glockenspiel jede zweite Stunde kleine Figuren rauskamen. Uns war sehr kalt und so haben wir eine kleine Pause im Warmen machen müssen.

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Danach haben wir das jüdische Stadtviertel und einen jüdischen Friedhof besucht, wo wir überrascht waren, dass Steine anstatt Blumen dort abgelegt werden. Danach haben wir erfahren, dass die Steintradition aus Moses’ Epoche stammt. Die Führerin hat uns erklärt, dass die Juden, als Moses sie durch die Wüste geführt hat, ihre Leichen mit Steinen bedeckten. Wir waren auch zum ersten Mal in einer Synagoge. Wir dachten, dass es viele Unterschiede zwischen Kirchen und Synagogen gibt, aber eigentlich haben die beiden Gebäude Ähnlichkeiten. Es war interessant, die Stadt zu besichtigen.
Anschließend haben wir in einem Restaurant zu Mittag gegessen und hatten danach Freizeit bis um 18.30 Uhr. Wir haben Shopping gemacht, aber es war sehr kalt und hat viel geschneit. Dies war allerdings auch sehr schön, da die Stadt weiß bedeckt war.

Danach sind wir in das Jugendhotel zurückgekehrt, um zu essen. Abends hatten wir nochmal Freizeit bis um 23 Uhr. Wir haben Audreys Geburtstag gefeiert, indem wir Bonbons gegessen und viel gelacht haben.

(Hugo, Adrien, Camille, Audrey, Mélissa)

Am Abend war ich mit Adrien, David und Herrn B. in der Ulica Szeroka 6, in der Nähe von der Isaac-Synagoge in Krakau.

Wir haben zuerst in einem Restaurant gegessen. Man konnte jiddische Sepzialitäten wie ein Chulent zum Beispiel probieren. Im Roman « Jakob der Lügner » vom Schriftsteller Jurek Becker, den wir im Unterricht studiert haben, erzählte der Protagonist, dass er gerne Chulent isst. Jakob ist ein liberaler Jude und für ihn spielt die Religion keine zentrale Rolle, allerdings ist er in der jüdischen Alltagskultur verwurzelt.

Ich habe jedoch eine halbe Ente mit Äpfeln gegessen. Es war lecker, aber sehr üppig. Danach hat das Konzert begonnen. Unter den Musikern gab es einen Bassisten, einen Akkordeonisten und eine Geigerin, die auch sang. Ich finde, dass Klessmer-Musik eine Mischung aus Zigeunermusik und Jazz ist. Die Klangfülle hat mir echt sehr gut gefallen. Ich habe den Kontrast zwischen den melancholischen und langsamen Passagen und den glücklichen, virtuosen und schnellen Momenten interessant gefunden. Gesungen wurde hauptsächlich auf Jiddisch, allerdings konnte man einige deutsch klingende Worte verstehen. Meiner Meinung nach stellt diese Musik einen wichtigen Teil der jüdischen Kultur dar.

Am Ende des Konzertes sind wir wieder zu Fuß durch den Schnee zur Jugendherberge zurückgekehrt.

(Louna)

Mittwoch, 21.März 2018

Am Mittwoch begaben wir uns auf einen anderthalb stündigen Weg nach Ausschwitz mit dem Bus. Unsere Stadtführerin begleitete und führte uns den ganzen Tag über durch Ausschwitz. Die Sonne schien heute nicht, das machte die Stimmung noch düsterer.

Später fuhren wir nach Ausschwitz II und gingen in verschiedene Blocks. Wir erfuhren schockierende Fakten, weshalb viele sprachlos waren und manche auch in Tränen ausbrachen. Wir sahen zum Teil abgeschnittene Haare von den Häftlingen, ihre Koffer, Schuhe von den Kleinkindern und vieles mehr. Zuletzt gingen wir in unsere Workshop-Gruppen und haben uns zwei Stunden näher mit einem Thema beschäftigt, welches uns interessierte und wir selber wählen konnten. Insgesamt waren wir 10 Stunden unterwegs.

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Am Abend im Hotel präsentierte jede Workshop-Gruppe vor dem Abendessen ihre Ergebnisse.

Unser heutiger Ausflug war ein Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. Bei diesem Ausflug wurden wir alle, Schüler wie Lehrer, mit der traurigen Realität der Vergangenheit konfrontiert. Mehrere Reaktionen wurden ausgelöst, worauf ich euch besonders aufmerksam machen möchte. Die Mehrheit von uns fühlten sich sehr betroffen von den Grausamkeiten, die sie sahen und von den Erklärungen, die die Führerin gab. Ein paar von und kamen die Tränen und manche waren sprachlos. Andere hingegen zeigten eine merkwürdige Verhaltensweise, die man als respektlos bezeichnen könnte: manche machten Dummheiten, mitten im ehemaligen Konzentrationslager, andere machten sich über die Erklärungen der Führung lustig. Für mich und einige meiner französischen Mitschüler war es anstrengend, denn wir wollten uns in aller Ruhe auf die Besichtigung konzentrieren und wurden andauernd von manchen Personen gestört. In Frankreich wurden wir dazu erzogen, mit diesem Thema sehr respektvoll und betroffen umzugehen. Das scheint in Deutschland anders zu sein. Wir fragen uns, warum man in Deutschland nicht lernt, sich an solchen Orten anders zu verhalten, warum man dort ungenierter ist.

Wir sind dort ebenfalls Juden begegnet. Diese Juden haben die Besichtigung wahrscheinlich anders erlebt als wir, denn sie wissen, dass, wenn sie ein paar Jahre früher gelebt hätten, sie wohl in das Konzentrationslager deportiert worden wären. Das hat mich zum Nachdenken gebracht. An diesem Tag war es recht kalt in Auschwitz und wir stellten fest, dass das Leben unter diesen Bedingungen sehr schwer war. Wir stellten uns vor, wie die Menschen in einer noch größeren Kälte, mit weniger Kleidung, gelebt, gearbeitet und überlebt haben. Da wurden uns die Lebensbedingungen dieser Zeit wirklich klar.

(Amélie)

Für den Ausflug haben wir ein Lunchpaket vom Hotel bekommen und haben gemerkt, dass wir das polnische Wasser nicht mögen. ??

Am Nachmittag waren wir in kleine Gruppen aufgeteilt für Workshops. Diese haben es uns ermöglicht, mit polnischen und deutschen Jugendlichen zusammenzuarbeiten. In den Workshops sind wir mit Einzelfallen von deportierten Personen konfrontiert worden, zum Beispiel von Romas und Sintis. Als wir mit den Geschichten von diesen Einzelfällen konfrontiert wurden, waren wir sehr berührt, denn Menschen wie wir wurden deportiert, obwohl sie nichts verbrochen hatten. Sie wurden deportiert, weil sie Roma oder Sinti waren. Es zersprangen Familien. Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Familie aus Holland, die in ein Ghetto und dann in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert wurde. Die Eltern und drei der Kinder kamen in das Lager und wurden vergast. Nur eines der Kinder hatte Glück im Unglück, denn es überlebte, weil es bei einer Tante war.

(Dennis, Catherine, Sophie, Tim)

Donnerstag, 22.März 2018

Auch am Donnerstag stand wieder viel auf dem Programm:
 Besichtigung des Wawelhügels, inklusive Schloss und Kathedrale, Führung durch Schindlers Fabrik und am Abend Austausch über den Besuch in Auschwitz und Auschwitz-Birkenau. 

Nach dem Frühstück hatten wir uns dann auch schon zeitig auf den Weg gemacht. Von unserer Unterkunft aus war der Wawelhügel fußläufig zu erreichen und nach 25 Minuten waren wir am Ziel angelangt. Der Wawelhügel beherbergt einige der geschichtsträchtigsten Gebäude Polens unter anderem die Wawel-Kathedrale. In dieser haben 37 Krönungen stattgefunden und sie ist die Grabstätte vieler polnischer Könige. In der Zeit als Krakau die Hauptstadt Polens war, diente die Burganlage als Residenz. Die facettenreiche und verschachtelte Bebauung des Hügels zeugt von einer langen Baugeschichte. In der Architektur lassen sich sowohl gotische und romanische, als auch Merkmale der Renaissance und des Barocks erkennen. Für die Führung, bei der wir auch die Kathedrale besichtigen konnten, wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt. 

Als diese beendet war, ging es mit der Straßenbahn weiter zu Schindlers Fabrik, beziehungsweise zu dem Museum, das dort entstanden ist. Auf dem Weg sind wir am "Ghettoheldenplatz" vorbeigekommen. Dort stehen, in Gedenken an die Juden, die 1941 im Krakauer Ghetto zusammengepfercht worden waren, 70 Metallstühle. Sie symbolisieren das Leid der Ghettobewohner, von denen am Ende nur die Möbel übrig geblieben sind.

Die Führung durch Schindlers Fabrik war sehr interessant und auch spannend, jedoch war es dann auch irgendwann zu viel. Nach diesen zwei unglaublich informativen, aber auch sehr langen Führungen gab es dann endlich etwas zu essen. Da wir so viele Leuten waren, hatten ein paar sogar die Möglichkeit, in einem alten Keller ihr Mittagessen einzunehmen. Es bestand wie üblich aus einer Suppe und einem Schnitzel, mit Kartoffeln und Krautsalat.

Anschließend an das Mittagessen hatten wir dann noch Zeit, den letzten Nachmittag/Abend in der Stadt zu genießen. Diese bewies sich als erstaunlich schön, da die Sonne alles etwas heller und größer erschienen ließ. Endlich konnten wir lachende Gesichter sehen, und das auch gleich sehr viele.

Um 19 Uhr hatten wir unser letztes Abendessen in Krakau. Es folgten einige Präsentationen über die Workshops, die wir in Ausschwitz gemacht hatten. Workshops über Fluchtversuche, Liebesbriefe und SS-Täter und weiteres. Dadurch bekamen wir noch einmal einen besseren Einblick in das “Leben“ in Ausschwitz.

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Nachdem alle ihre Koffer gepackt hatten, gab es eine letzte Abschlussrunde „Werwolf“, die wahrscheinlich auch die Gelungenste war. Ein schöner Abend, der der perfekte Abschluss für die Reise nach Krakau war.

An dem letzten vollständigen Tag unseres Austausches in Krakau lächelte uns eine freudige Sonne an. Dieser Temperaturumschwung war uns - nach vergangenen Tagen voller Kälte - sehr willkommen. Voller Freude liefen wir zum Königsschloss „Wawel“, wo uns eine interessante Führung durch die Schlossanlage und der dort stehenden Kathedrale erwarteten. Besonders beeindruckt hat uns die Architektur des Gotteshauses. Es bestand aus einem Hauptschiff, an das 17. Kapellen aus verschiedenen Epochen angebaut worden waren. Auch das Innere mit vielzähligen verzierten Särgen von polnischen Königshäusern war eindrucksvoll. Vor diesem historischen Bau entstand unser Gruppenfoto. Mit der Straßenbahn fuhren wir in Richtung Schindlers Fabrik, machten aber vorher noch einen Halt am Friedensplatz im jüdischen Ghetto. Dort schilderte uns unser Stadtführer, wie die Selektion im Ghetto von statten ging.

Weiter ging es zur Fabrik, die ein Museum beherbergt. Dort nahmen wir an einer Führung in mehreren Gruppen teil. Die Gruppe mit David, Rémy und Henri fand sie sehr zäh und mühselig, was auf die vortragende Person zurückzuführen war. In der anderen Gruppe, in der Adrien und Jurij waren, stellte es sich anders dar. Sie fanden sie lehrhaft, da sie viele Informationen von der ganzen Kriegszeit, den Deportationen und das Leben dieser Zeit bekamen. Ein paar von uns waren besonders verwundert über Fliesen mit dem Muster des Hakenkreuzes und Naziflaggen, die sich in einem Raum des Museums befanden. Dies wirkte zum Teil schockierend, geschmacklos, dass diese so offen ausgestellt wurden. Das hatten wir nicht erwartet, besonders nicht in einem polnischen Museum. Anscheinend gehen Teile der polnischen Bevölkerung unbekümmerter mit dieser Vergangenheit um.

Dennoch waren wir durch unsere Erwartungen etwas enttäuscht von Schindlers Fabrik. Wir hatten den Film „Schindlers Liste“ im Unterricht gesehen und uns erhofft, Elemente wiederzusehen (was bis auf eine Treppe nicht der Fall war). Es gab kaum Originalgegenstände aus der Fabrik, keine Rekonstruktionen von Maschinen, Räumen,…

Hungrig warteten wir noch auf die dritte Gruppe, die aus den polnischen Schülern bestand und begaben uns nach einer mittellangen Wartezeit endlich zum Restaurant. Wir spekulierten, was es wohl geben möge, etwa eine traditionelle polnische Mahlzeit? Doch siehe da, wir bekamen in einem urigen Kellergewölbe, das einen Teil des Restaurants ausmachte, ein Wiener-Schnitzel aufgetischt. Wir tauften es in das „Wieder-Schnitzel“, da es unsere dritte warme Mahlzeit war, die vor allem aus einem Schnitzel bestand.

Anschließend hatten wir Freizeit bis zum Abend. In kleinen Gruppen zogen wir durch die Stadt, schauten uns diese an, nutzen die Zeit zum Einkaufen in einer nahgelegenen Einkaufspassage.

Um 18 Uhr, die Füße plattgetreten, der Körper erschöpft, aber dennoch erfreut über den schönen Tag, trafen sich alle Klassen in der Kantine des Jugendhotels. Dort durften die Teilnehmer der verschiedenen Workshops des Vortages im KZ-Auschwitz, den Kameraden vorstellen, was sie in ihrem getan und gelernt hatten.

Der letzte Abend brach an und mit ihm bahnte sich das Ende der Reise an. Zum Abschluss gingen wir (ein Großteil der französischen Gruppe) gemeinsam in die Stadt, um dort essen zu gehen, sich zu unterhalten und den Abend in dem schön bei Nacht beleuchteten Krakau ausklingen zu lassen.

(Henri, David, Adrien, Jurij, Rémy)