Die Macht der Musik

Musik ist alltäglich...
In der modernen, reizüberfluteten Welt umgibt sie uns ständig - im Fernsehen, im Radio, auf der Straße. Und wenn es dann doch mal ruhig ist, merken wir meist gar nicht mehr, wie wir unser Lieblingslied oder unseren neuesten Ohrwurm leise vor uns hin summen, beim Essen und sogar unter der Dusche. Musik ist einer der wichtigsten Begleiter unseres Lebens, und das ein ganzes Leben lang. Sie wirkt bereits auf Babys im Mutterleib und sogar auf alte, demenzkranke Menschen, die ihren nächsten Verwandten schon nicht mehr erkennen können. Ist uns Musik also vielleicht näher als unsere eigenen Eltern oder Kinder?
Klar ist: Musik besitzt einen direkten Draht zu unseren Emotionen. Im Kino, beispielsweise, lässt sie uns die Dramatik und Spannung einer Verfolgungsjagd überhaupt erst spüren und versetzt uns bei einem Horrorfilm Angst und Schrecken. Fröhliche Musik, hingegen, kann aus einem schlechten Tag im Handumdrehen einen guten machen. Dabei hat Musik auch direkten Einfluss auf unsere Körperfunktionen, zum Beispiel Puls oder Atemfrequenz.
Besonders als schön empfundene, fröhliche Musik wirkt sehr stark im Gehirn. Dort aktiviert sie das Belohnungszentrum und bewirkt eine Ausschüttung des Glückshormons Dopamin. Gleichzeitig wird die Konzentration der Stresshormone wie Cortisol im Blut verringert. Dadurch hilft Musik vor allem gegen Alltagsstress und in gewissem Maße sogar gegen Depressionen und Schmerzen. Sportlern hilft es besonders, vor dem Wettkampf oder während des Sporttreibens Musik zu hören - ist es dann noch das Lieblingslied, kann Musik sogar zu einer signifikanten Leistungssteigerung führen.
Doch Musik kann auch das genaue Gegenteil bewirken. So wurde sie, beispielsweise durch zu laute Dauerbeschallung, auch als Foltermethode eingesetzt. Und im Irakkrieg der USA kam Musik zum Einsatz, einerseits zur Motivation der eigenen Soldaten, andererseits zur Demoralisierung der Feinde.
Diese vielfältige Wirkung der Musik machte man sich auch immer mal wieder in der Politik zunutze. Vor allem in Dritten Reich wurde Musik von den Nationalsozialisten zu Propagandazwecken gebraucht. Hier hatten die oftmals einfachen, volksliedhaften Lieder neben dem vermitteln von Stärke und Gemeinschaftsgefühl die Aufgabe, eine politische Botschaft zu überbringen.
Im Gehirn gibt es kein Musikzentrum, vielmehr müssen schon beim Musikhören mehrere Hirnareale schnell und effizient zusammenarbeiten. Schon das Umwandeln von Schallwellen in Musik erfordert eine enorme Analyseleistung unseres Gehirns. Eine noch größere Wirkung im Gehirn entfaltet Musik aber, wenn wir selbst musizieren. Dabei sind mehrere Fähigkeiten gleichzeitig gefragt: Der Hörsinn, der Sehsinn, der Tastsinn und die Feinmotorik. Ständiges Üben fördert so die Entwicklung von Hirnarealen und knüpft neue neuronale Verbindungen. Besonders bei Musikern, die schon sehr früh (vor dem siebten Lebensjahr) angefangen haben, ein Instrument zu spielen, ist ein deutlicher Unterschied zu Nichtmusikern zu erkennen - Profimusiker Haben mehr„ graue Masse“, also mehr neuronale Verbindungen.
Aufgrund dieser Tatsache wird auch immer mal wieder darüber spekuliert, ob Musik intelligent macht. Eine eindeutige Antwort darauf gibt es nicht. Klar ist aber, dass sich Musikmachen auch auf andere Lebensbereiche positiv auswirkt. Musiker haben meist ein feines Gehör und eine verbesserte Koordination von Bewegungen, was sich auch auf das Sporttreiben positiv auswirken kann. Auch die Medizin hat sich diese Prinzipien zunutze gemacht. Schlaganfallpatienten lernen am Klavier, ihre Bewegungen wieder zu koordinieren und Demenzkranken hilft sie dabei, Erinnerungen wieder wachzurufen. In der Musiktherapie kann Musik verborgene psychische Probleme zu Tage fördern und auch Menschen mit Sprachproblemen können durch Singen der Wörter lernen richtig zu sprechen.
Dies fußt vermutlich auf der Tatsache, das Musik auch einen sehr großen Einfluss auf das Sprachzentrum im Gehirn besitzt und somit vielleicht auch dafür mitverantwortlich ist, dass Kinder, die ein Instrument lernen oft auch ein besseres Sprachverständnis besitzen und es ihnen leichter fällt, Sprachen zu lernen.
Die Entwicklung von Sprache und Musik ist eng miteinander verknüpft. Menschen musizieren gemeinsam schon seit Urzeiten und schon die Tatsache allein, das Musik evolutionär überdauert hat, zeigt ihre Wichtigkeit für unsere Spezies. Früher standen noch vor allem die sozialen Aspekte der Musik im Vordergrund: Gemeinsames Musizieren förderte die Kommunikation und in Zusammenhalt der Gruppe und hatte für die Urmenschen damals so sogar eine überlebenswichtige Funktion. Auch heute profitieren wir noch von dieser Art der Macht der Musik. Musik bringt Menschen zusammen und hat mit dieser sozialen Funktion auch heute noch eine sehr große Bedeutung für unsere Gesellschaft. So kann sie helfen, selbstbewusster zu werden und die Teamfähigkeit zu steigern.
...Die Macht der Musik ist vielfältig und sie erreicht uns auf allen Ebenen und in allen Bereichen unseres Lebens.

(Ruben Klünder, LKMU)